In der postmaterialistischen Gesellschaft taugen Reichtum, schnelle Autos und goldene Uhren nicht mehr als Symbole für den eigenen Status. Stattdessen wird ein Status selbst zum Symbol: der Facebook-Status. Und mit ihm zusammen sein hektischer Cousin, das Twitter-Update. Die Status-Meldungen sind das Paradies der exzessiven öffentlichen Selbstverwirklichung: Wir sind wild, immer unterwegs, haben tausend Freunde und machen genau unser Ding. Man muss nicht mal lügen – wie beim Lebenslaufschreiben reicht es schon, ein paar langweilige Details zu verschweigen. Und schon ist man …
… die Rampensau
Kommt meist aus Berlin. Tagsüber hört man irgendwie nichts von ihr, aber pünktlich gegen 19 Uhr leitet sie das Nachtprogramm mit einem lakonischen „Und wo gehen wir heute Abend hin?“ ein. Zwei Stunden später meldet sie sich von einer Podiumsdiskussion über Contemporary Character Design oder einem Nasenflötenkonzert in einem illegalen Kellerclub. Danach geht es weiter: „Cocktail-Tweet-up im ‘Betrunkene Möhren’“. „Spontankonzert in der Wohnung von @XYZ“. „Na gut, dann doch noch ins Berghain.“ Zwar ist es fast überall nur mittelmäßig: „Wer hat denn die Kinder reingelassen?“ „3 Euro für ein kleines Bier! #prost“ – aber die Rampensau hat natürlich stets noch eine Alternative am Start. Denn solange es Clubs gibt, in denen Leute akzeptiert werden, die unentwegt in ihr Smartphone starren, geht ihre Party weiter.
… der Getting-Things-done-Typ:
Er ist dein permanent anwesendes schlechtes Gewissen. Er ist „Erster im Büro!“, zwei Stunden bevor dein Wecker klingelt. Er erstellt die To-do-Liste für nächste Woche – am Dienstag! Er teilt dir ungefragt mit: „[x] Offerte geschrieben. [x] Posteingang leer. [x] Meeting.“ Während du an deinem Job verzweifelst, erzählt er dir von seinem persönlichen „Thumbs-up-Moment des Tages. :)“. Und in seiner Freizeit geht er joggen und redet darüber: „Der zweite 15er-Trainingslauf innerhalb von 3 Tagen. Manchmal wundere ich mich über mich selbst.“ Sogar das Nichtstun kann er effektiver gestalten – weil er es sich verdient hat: „Nach einer 60-Stunden-Woche wird jetzt gepflegt auf dem Sofa gechillt.“ Wir, äh, fangen dann auch mal an zu arbeiten.
… der Superzufriedene:
Er hat sein Nest gebaut und jedes seiner Updates sagt: „Schaut her, wie gut es uns geht!“ Im Mittelpunkt: die eigenen Familienmitglieder, die grundsätzlich immer (immer!) als Daddy Star, Prinzessin, Sohnemann und Töchterchen auftreten. „djgngnjgnhkfhjkbfjkhbnfhjbnkn – Sohnemann twittert jetzt auch :-)“ – „Töchterchen hat den Schoggisong aus der Werbung für sich entdeckt! *Augen-roll*“ – „Werde meine Prinzessin heute mit Blumen überraschen“ – „Dann werde ich erst mal das Osterfrühstück für die Familie machen.“ Überhaupt, essen, backen, kochen: Höhepunkt der harmonievollen Woche ist ein „Lammkarree in Sherrysauce, perfekt gegart. Küsst den Koch! ;-)“ – mit Foto. Und abends gibt es ein gutes Glas Rotwein. Ihr findet das spießig? Die Superzufriedenen wissen genau: Ihr seid bloß neidisch!
… der Traveller:
Gestern Wien, heute Hamburg, morgen Zürich und: „Nächste Woche London, danach endlich Sonne tanken.“ Der Traveller scheint sein halbes Leben im Speisewagen zu verbringen – und die andere Hälfte in der VIP-Vielflieger-Lounge. Manchmal lässt er nur ganz nebenbei fallen, wo er nun schon wieder ist: „Ach so, soll ich jemandem was aus LA mitbringen? #dollarkurs“. Manchmal posaunt er noch die banalsten Features des Reiseziels in die Welt hinaus: „Alle Leute in New York sprechen Englisch. Außer die Taxifahrer.“ Seine Facebook-Profilfotos zeigen ihn: 1. im australischen Outback, 2. beim Kamelreiten, 3. auf dem Eiffelturm, 4. an irgendeinem Strand. Nur manchmal wird seine ewig währende Reise unfreiwillig unterbrochen: „Bahnfail vor Hildesheim. Stehen seit 45 min rum. Wo bleibt der mobile Brezelverkäufer?“
Michael Brake arbeitet als freier Journalist und Lektor in Berlin und schreibt regelmäßig für die tageszeitung (taz).


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Angst um den Status? 

Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn ich solche Bilder sehe, dann denke ich mir, die
haben wohl ihr Gehirn im Auto gelassen.
Es ist schon verwunderlich wie die deutsche Öffentlichkeit auf billige
Konkurrenz reagiert.
Ich fahre zwar keinen Daccia , aber so eine primitive Art ist in
meinem Denken tabu, irgendein Auto aus Konkurrenzdenken mutwillig zu beschädigen.
Wenn sich das Gehirn vieler Hi-Tech-Friek nur auf Statussymbol
Auto bezieht, dann kann man auch Schlüsse ziehen auf die
Logik vieler Deutschen im öffentlichen Leben.
Reich macht zwar schön, aber nicht unbedingt intelligent.
Gruss Didi
Die Leute,die Angst vor Statusverlust haben und Autos zerstören,sollten wirklich mal andere Sorgen bekommen.Ich finde es gut,wenn Status nichts zählt.Ich habe nie Interresse daran gehabt.Jetzt müssen die Statusverliebten hoffentlich auf andere Dinge wertlegen,Mitgefühl,Verständnis,Frieden,Gefühl.
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